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Im Gedenken an die Opfer der Loveparade 2010
Angesichts der Ereignisse am vergangenen Samstag in Duisburg wäre eine Kolumne im üblichen Sinn pietätlos und einfach unpassend. Auch bin ich noch gar nicht in der Lage, über etwas anderes zu schreiben, als diesen Loveparade-Tag. Wie soll man danach bloß wieder zum Tagesgeschäft übergehen?
Ich war auf einem der Wagen, als uns gegen 17.30h eine SMS erreichte, die uns über zunächst 10 Tote und zahlreiche Verletzte bei einer Massenpanik im Karl-Lehr-Tunnel, dem wohlgemerkt einzigen Zugang zum Gelände, informierte. Ab diesem Zeitpunkt war die Party für mich vorbei. Die Musik spielte weiter – zur Vermeidung einer weiteren, noch größeren Katastrophe, wie es heißt – doch das Gefühl, das einen angesichts der Tatsache, dass in nur 100 Meter Luftlinie gerade Menschen ums Leben kommen, beschleicht, ist kaum zu beschrieben. Wie erst muss man sich fühlen, ist man Augenzeuge dieser Tragödie geworden? Und wie nur konnte es dazu kommen, dass die Loveparade 2010 21 Todesopfer und 511 zum Teil schwer Verletzte zu beklagen hat?
Von Schuldzuweisungen möchte ich natürlich hier Abstand nehmen, doch stelle ich mir all die Fragen, die sich nun alle stellen. Wieso wurde ein Gelände für 250.000 Personen eingezäunt, wenn man doch eine Million erwartete? Warum behauptet man, man habe mit 500.000 gerechnet – was ja auch schon zu viel gewesen wäre – wenn seitens des Bürgermeisters Sauerland schon in einer früheren Pressekonferenz von der zu erwartenden Million gesprochen wurde? Wieso gab es nur diesen einen, viel zu engen Zugang, und warum wurden die Notausgänge viel zu spät geöffnet? Warum schieben sich alle für die Veranstaltung Zuständigen nun gegenseitig die Verantwortung in die Schuhe und versuchen krampfhaft, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen? Es werden Zahlen beschönigt – aus mittags noch 1,4 Millionen gemeldeten Ravern werden bei der Pressekonferenz am Sonntag plötzlich 105.000. Wie kann das sein? Zauberei?
Warum wurde eine Veranstaltung wie diese genehmigt, wo doch nun (zum Teil im Nachhinein) alle große Zweifel am Sicherheitskonzept laut werden lassen? War der Druck im Kulturhauptstadtjahr und nach der ausgefallenen Parade 2009 in Bochum von allen Seiten zu groß? Hat man etwas auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen mit möglichst kleinem finanziellen Aufwand, um sein Image aufzupolieren? Das ist damit nun weder McFit noch der Stadt Duisburg gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass die Geschehnisse wirklich bis ins letzte Detail aufgeklärt werden und die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt. Die Toten bringt das nicht zurück, aber es könnte zukünftig auf ähnlich gelagerten Großveranstaltungen aufgrund neuer Verordnungen weitere Opfer vermeiden. Diese 21 Menschen dürfen nicht umsonst gestorben sein.
Ob es richtig ist, der Loveparade damit den Garaus zu machen, weiß ich nicht. Die Events unter gleichem Namen in Berlin waren friedlich, katastrophenfrei und wichtig für die Szene. Nun hat ein Fitnessbudenbesitzer sie in den Ruin getrieben und ihr all das genommen, wofür sie einst stand. Das ist eigentlich ein Ende, mit dem man nur schlecht leben kann.
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und allen Verletzten, die diese Tragödie überlebt haben. Hier ist viel Nacharbeit in Form psychologischer Betreuung nötig. Ich wünsche allen, dass sie das Ganze eines Tages verarbeitet haben – vergessen sollte man es nie.
NikkiDisko
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Pascal FEOS
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